im fokus. Institut für Yoga und Psychotherapie

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Institut für Yoga und Psychotherapie

Yoga als komplementärmedizinische Maßnahme in der Psychotherapie

Yoga als komplementärmedizinische Maßnahme in der Psychotherapie

Yogapsychotherapie geht weit über die Ansätze von Psychotherapie und Yoga hinaus. Durch die Verbindung von Psychologie und Yoga entsteht entsteht eine neue und ganzheitliche Perspektive.

Ausschnitt aus der Facharbeit von Emily Weisensee

Aufgrund vieler positiver Auswirkungen des Yoga auf die Psyche des Menschen wird die Praktik häufig auch komplementär zu einer Psychotherapie ausgeführt, was effektiver sei als eine reine Psychotherapie. Dies funktioniere besonders gut aufgrund der „erstaunliche[n] Parallelen [der alten Praktik] zu den modernen Therapiekonzepten“ (Cuno und Richter, 2023, S. 26). Beide Systeme folgen dem Ziel, persönliches Leid durch das Zur-Ruhe-Kommen des Geistes zu reduzieren, wenn auch durch unterschiedliche Vorgehensweisen (vgl. ebd., S. 27f.). Allerdings handelt „es sich beim Yoga nicht um ein zugelassenes psychotherapeutisches Verfahren“ (ebd., S. 30), weshalb die Praktik daher nur als präventative Maßnahme zur Stressreduktion komplementär zu einer Psychotherapie, jedoch nicht als Ersatz für solch eine, angesehen wird (vgl. ebd.). Die erwähnten Parallelen „können den KlientInnen [dennoch] durch das Erlernen von Asanas, Pranayama und Meditationstechniken weitere Werkzeuge […] [für einen] besseren Umgang mit psychische[n] Problemen und Verhaltensänderungen“ (ebd.) liefern. Zudem bieten sie eine Möglichkeit zur schnellen Entspannung.  Die Art der Yoga-Übungen sind hoch individuell auf die Klienten und deren Bedürfnisse abgestimmt; so sollten beispielsweise „Meditationsübungen […] nicht […] bei akuten Psychosen“ (ebd., S. 33) durchgeführt werden. In einem Gespräch mit Ilka Pracht, Yogapsychotherapeutin und Mitleiterin des yogapsychotherapeutischen Instituts im fokus. in Potsdam, erklärt sie, dass zunächst eine vertraute Basis aufgebaut werden müsse, sodass dann anschließend nach ein paar Sitzungen Yoga-Übungen vorgeschlagen werden könnten. Yoga als komplementärmedizinische Maßnahme zur Psychotherapie biete aber vor allem die Möglichkeit der Selbstwirksamkeit. Ilka Pracht berichtet, dass die „Selbstwirksamkeitserfahrung [, sprich die Fähigkeit, selbstwirksam im eigenen Heilungsprozess aktiv werden zu können,] […] erwiesenermaßen heilsam [ist], weil […] sie selbstwertstärkend […] [und] selbstvertrauensstärkend ist“ (Pracht, Ilka, 2024). Des Weiteren ist der Yoga ein Weg, die Unterscheidungs- und Selbsterkenntnisfähigkeit sowie die Körperwahrnehmung auf kognitiver und körperlicher Ebene zu trainieren. Dadurch fällt es Klienten leichter, Signale des Körpers in Bezug auf das eigene Wohlbefinden oder Leiden beziehungsweise auslösende Phänomene für solche Gefühle, aktiv wahrzunehmen und die eigene Handlung effektiv daran anzupassen. Dadurch kann die Yogapsychotherapie einen großen Einfluss auf Symptome psychischer Störungen erzielen.

Allerdings zeigen sich in dieser Therapieform auch Grenzen und Schwierigkeiten. Die größte Herausforderung sieht Ilka Pracht in der konstanten Übung des Yoga. Menschen mit schweren Diagnosen könne der Antrieb für regelmäßiges Üben fehlen, sodass die erwünschte Wirkung nicht voll entfaltet werden würde. Auch der Leistungsdruck zur Selbstoptimierung, der mit dem aufflammenden Yoga-Boom einhergeht, stellt ein Problem dar, denn solch eine stressaufbauende Selbstoptimierung ist kontraproduktiv, da der Yoga eigentlich helfen soll, Stress zu verringern und mehr Selbstbewusstsein aufzubauen. Abschließend lässt sich allerdings feststellen, dass Yoga komplementär zu einer Psychotherapie nachweislich trotz dieser Grenzen sehr effektiv stressabbauend wirkt und so psychischen Krankheiten entgegenwirken kann (vgl. ebd.).

 

Quellenverzeichnis

Cuno, Angela und Richter, Thomas (2023): Yoga in der Psychotherapie, 1. Auflage, München: Ernst Reinhardt Verlag

Pracht, Ilka (05.02.2024): Expertengespräch

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