Mein Lernweg: Warum eine eigene (allein geübte) Yogapraxis so wertvoll ist
In der Viniyoga-Tradition – wie wir sie bei im fokus. – Institut für Yoga und Psychotherapie verstehen – bedeutet „Viniyoga“ unter anderem folgendes: in passenden Schritten integrativ, selbsterforschend, wirksam und vor allem auch angemessen üben. Es lädt dich ein, Yoga als einen persönlichen Weg zu verstehen, auf dem du dein eigenes Verständnis entwickelst und erfährst, wie dein Körper, Geist und Atem sich verhalten.
Demnach wird unser Bildungsweg hin zu Viniyogalehrenden von einer eigenen (allein geübten) Praxis begleitet und unterstützt.
Persönliche Selbsterfahrung ist der Motor für Entwicklung
Patañjalis Yoga Sūtra in der Übertragung und Kommentierung von T.K.V. Desikachar betont im Sūtra 1.2: „Yoga ist die Fähigkeit, sich ausschließlich auf einen Gegenstand, eine Frage oder einen anderen Inhalt auszurichten und in der Ausrichtung ohne Ablenkung zu verweilen.” – und Sūtra 2.1 zeigt uns den Weg, über die notwendigen Qualitäten: „Klärung, Selbstreflexion und Akzeptanz unserer Grenzen“. Gerade die Betonung auf Svādhyāya (Selbstreflexion) passt wunderbar zu dem, was wir durch die individuelle Praxis entwickeln – nämlich Bewusstsein, Erfahrung und Transformation.
Selbstständiges Üben schafft Raum für deine eigenen Erfahrungen – für Bewusstsein, Feinfühligkeit und Wachstum. Wie zuvor und auch auf unserer Webseite betont: Selbsterfahrung (Svādhyāya) ist ebenso Teil dieses Weges wie die Praxis selbst. Dieser individuelle Zugang ermöglicht es dir, Yoga zu lernen sowie zu erfahren und so später auch bestmöglich zu lehren.
Meine eigene Praxis: Entwicklung – Anpassung – Verinnerlichung
Als ich mit meiner Ausbildung begann, erstellten wir eine individuelle Yogapraxis. Schnell wurde mir klar: Stressphasen, ob beruflich oder privat, lassen meine Praxis kürzer werden oder ganz ausfallen. In diesen Momenten wurde deutlich, dass Struktur und Flexibilität extrem wichtig sind.
- Fester Zeitpunkt: Früher übte ich in der Mittagspause. Später verschob ich die Praxis bewusst auf den Abend – je nachdem, was besser in meinen Tag passte.
- Aktives Abwägen: Ich lernte: Wann und wie praktiziere ich sinnvoll? Mit Blick auf Zeit, Energie und Tagesrhythmus.
- Kleine Anpassungen: Mit jedem Einzelunterricht bei meiner Lehrerin wurde die Praxis gezielt feingeschliffen und so ging mir die Praxis zunehmend „ins Blut“ über.
- Auswendig und fließend: Durch die Regelmäßigkeit des Übens meiner Praxis kann ich sie nun auswendig. So entwickelte und veränderte sich meine Erfahrung:
- Variation der āsana: Ich weiß nun, welche Variante mich unterstützt – und wie sich meine Ausführung mit der Zeit perfektioniert.
- Meditativer Flow: Mit zunehmender Vertrautheit entstand ein meditativer Fluss, der über einfache Körperübungen hinausgeht.
Der Gewinn: Persönliche Weiterentwicklung durch die eigene Praxis
Meine persönliche Praxis entwickelt sich und wächst mit mir. Der Yoga ist für mich mittlerweile mein Moment der Ruhe im stressigen Leben, die Hoffnung an schweren Tagen und der Anker in bewegten Zeiten. Das regelmäßige Üben meiner Praxis ließ Yoga zu einem Bestandteil meines Alltags werden. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf meine Art zu leben und meine innere Ausrichtung, sondern ermöglicht mir das Erfahren des in der Ausbildung Erlernten. Mein Körper, meine Stimmung, der Ort, an dem ich übe – alles hat einen Einfluss auf die Ausübung und Wahrnehmung und Wirkung meiner Praxis. Durch diese Selbsterfahrung gewinne ich nicht nur Erkenntnisse für das aktive Unterrichten, sondern auch über mich selbst.
Fazit: Deine eigene Praxis ermöglich dir die persönliche Weiterentwicklung
- Autonomie und Tiefe: Du entwickelst Vertrauen in deinen eigenen Weg.
- Feinfühligkeit & Anpassung: Die Praxis begleitet dich durch wechselnde Lebensphasen und kann flexibel an diese angepasst werden.
- Verkörperte Erkenntnis: Die Praxis basiert auf den Kenntnissen unserer Lehrer und spiegelt wider, was im Zuge der Ausbildung erlernt wird. Geübt im alltäglichen Leben, spürst du den wahren Einfluss des Yoga auf Körper, Atmung und Bewusstsein.
- Nachhaltigkeit: Die Praxis ist kein To-do, sondern ein lebendiger Raum für persönliche Entwicklung – auf Basis strukturierter, individueller Begleitung.
Eine eigene, allein geübte Viniyoga-Praxis ist weit mehr als Routine – sie ist ein lebendiger Begleiter auf deiner Yoga-Reise. Sie schenkt dir Erfahrung, Klarheit und Verankerung. Und sie zeigt dir, wie Yoga durch Selbsterfahrung, Achtsamkeit und bewusste Anpassung wirklich wirkt: integrativ, erfahrend, entwickelnd.